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"Das mysteriöse Turmzimmer " (Arbeitstitel)

ISBN (noch nicht vergeben)

Preis: noch nicht bekannt

Inhalt:

Auf einer Klassenfahrt der Klasse 6a wird gleich nach der ersten Nacht ein unbeliebter Mitschüler vermisst. Hat der seltsame alte Mann, auf den Bastian und Mark am nächsten Tag in einer nahe gelegenen Klosterruine treffen, etwas mit dem Verschwinden ihres Klassenkameraden zu tun? Und welchen Zweck erfüllt die merkwürdige Apparatur, die sie in einem Turmzimmer der Ruine entdecken?

Wohl wissend, dass sie sich in große Gefahr begeben, treten die beiden Freunde eine fantastische Reise an, um ihren Mitschüler zu retten. Wird es ihnen gelingen oder wird es für sie eine Reise ohne Wiederkehr?

Leseprobe:

1750

Düster erhoben sich die Mauern des alten Klosters über das Tal. Im schwachen Mondlicht konnte man nur schemenhaft die Umrisse des gewaltigen Gebäudekomplexes erkennen. Mit seinen vier zinnenbesetzten Türmen und dem riesigen, schmiedeeisernen Tor, glich das Bauwerk eher einer Festung als einem Ort der Besinnlichkeit.

In einen dunklen, weiten Umhang gehüllt, schlich der alte Mann geduckt durch den Innenhof des Klosters. Die weite Kapuze verdeckte zum größten Teil das von tiefen Furchen durchzogene Gesicht des Greises. Er war fast 90 Jahre alt, doch im Moment bewegte er sich mit der Geschmeidigkeit einer jungen Raubkatze. Um jegliches Geräusch zu vermeiden, hatte er seine Schuhe ausgezogen. Langsam und vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen. Mit dem rechten Arm drückte er einen Krug an seine Brust, in dem eine schwarze, schwere Flüssigkeit träge hin und her schwappte. Nach jedem Schritt hielt er kurz inne, um sich zu vergewissern, dass ihn niemand beobachtet. Doch nur die Augen einer neugierigen, schwarzen Katze verfolgten gebannt jede seiner Bewegungen.

Es war spät, schon fast Mitternacht. Der Mann hatte eine hölzerne, mit Eisen beschlagene Türe am Fuße des Nordostturmes erreicht. Noch einmal blickte er sich prüfend um. Als eine Wolke kurz den Mond verdeckte, zog er vorsichtig einen rostigen Schlüsselring aus einer der vielen Taschen seines Umhanges. Mit zittrigen Fingern probierte er einen Schlüssel nach dem anderen aus, bis er endlich den Passenden gefunden hatte. Das Schloss öffnete sich mit einem leisen Klicken. Er schlüpfte durch den Türspalt und zog hastig die Türe hinter sich zu. Die Katze, die sich im letzten Moment durch den Spalt zwängte, bemerkte er nicht.

Im Inneren des Turmes war es stockfinster. Die dicken, fensterlosen Mauern hielten jegliches Mondlicht fern. Vorsichtig tastete der Mann sich an der Mauer entlang, bis er eine Pechfackel fand, die in einem Halter an der Wand steckte. Er zündete sie an und beleuchtete eine schmale, steile Wendeltreppe, die hinauf zur Spitze des Turmes führte. Trotz seines hohen Alters stieg der Mann rasch die Treppe hinauf. Er blickte sich nicht mehr um. Jetzt hatte er nur noch sein Ziel vor Augen.

Oben angekommen, betrat er einen runden, fensterlosen Raum. Er steckte die Fackel in eine der vielen, dafür vorgesehenen Halterungen an der Wand. Ihr Schein beleuchtete eine abenteuerlich anmutende Konstruktion. Aus einem würfelförmigen Holzblock mit einer Kantenlänge von zwei Metern ragte ein Gewirr aus ineinander greifenden Zahnrädern, Spiralen und Federn. Seile verliefen über verschiedene Rollen bis knapp unter die Decke des etwa vier Meter hohen Raumes. An der einen Seite des Blockes war eine Stufe in das Holz gehauen. Auf diese Weise war eine Plattform entstanden, auf der bequem ein Mensch stehen konnte. Verschiedene Griffe und Hebel ragten an dieser Seite aus dem Holzblock heraus. In die andere Seite des Blockes war eine rechteckige Klappe von der Größe eines Buches eingelassen.

Mitternacht war fast erreicht. Der Alte wusste, dass er das bevorstehende Unglück nur noch abwenden konnte, indem er schnell handelte. Mit leichtem Bedauern betrachtete er ein letztes Mal die vielen Griffe und Hebel. Dann schüttelte er energisch den Kopf, als wolle er finstere Gedanken vertreiben. Es war nicht mehr wichtig, welche Aufgabe sie einst hatten. Jetzt musste er nur noch seine Mission erfüllen.

Der Mann öffnete die kleine Klappe an der Seite des Holzblockes und betrachtete ehrfürchtig den Gegenstand, der sich dahinter befand. Einer anderen Tasche seines Umhanges entnahm er ein kleines Fläschchen, welches er vorsichtig öffnete. Behutsam gab er einige Tropfen der klaren Flüssigkeit auf den Gegenstand im Inneren des Blockes. Es zischte, als die Tropfen auf die Oberfläche trafen und sofort breitete sich beißender Rauch und ein unerträglicher, fauliger Gestank in dem Raum aus. Die Flüssigkeit bildete Blasen, als sie langsam verkochte. Schnell verriegelte der Alte die Klappe wieder. Behutsam verschloss er das Fläschchen und steckte es zurück in seinen Umhang. Dann öffnete er den Krug und verteilte die dunkle Flüssigkeit in dem kleinen Raum. Der Geruch von Petroleum vermischte sich mit dem fauligen Gestank. Noch einmal betrachtete der Mann Stirn runzelnd die Apparatur. Dann griff er nach der Fackel, um die Flüssigkeit damit zu entzünden.

In diesem Moment vernahm er ein Geräusch. Erschrocken drehte er sich um. Die Katze, die ihm unbemerkt bis hierher gefolgt war, stand auf einem Mauervorsprung und fauchte ihn an. Entsetzt wich der Greis einen Schritt zurück und verfing sich dabei mit dem rechten Ärmel seines weiten Umhanges an einem der vielen Hebel. Die Fackel fiel ihm aus der Hand und die ersten Flammen loderten auf, als sich das Petroleum entzündete. Hektisch versuchte der Mann, seinen Arm zu befreien, doch es war zwecklos. Statt sich von dem Hebel zu lösen, verfing sich der Umhang an weiteren Hebeln und der Alte betätigte sie auf diese Weise unmerklich. Er schrie auf, als sein Körper sich plötzlich aufzulösen schien. Die Katze machte einen Buckel und fauchte erneut. Dann verließ sie geduckt den Raum.

Nur sie war Zeuge dessen, was in jener Nacht geschah.