|
Hamm/Oberbilk Die Aussicht ist malerisch. Die St.-Blasius-Kirche rechts, vor dem Betrachter Felder, Bäume und das Dorf und links, im Westen, überragt die Eisenbahnbrücke über die Landschaft. Der Augenblick wäre idyllisch, wenn der Krach der Hubschrauber-Rotoren doch nachließe. Irgendwas stört immer.
In den Bildern von Gerda Schippers und Susanne Behr sind die Szenen konstruiert. Susanne Behr wohnt in Hamm. Sie malt Figuren, Flächen, grob und sehr farbig, Gerda Schippers hingegen malt fotorealistisch. Beide Künstler verlassen die Realität. Ober besser - sie schaffen andere Blickwinkel: die im Bild und die im Kopf des Betrachters. Am 14. Juni wird die Ausstellung "Four-Bild-lich" mit Schippers, Behr sowie den Künstlerinnen Andrea Mackenthun und "Anowi" in der Deutschen-Bank-Filiale auf der Kölner Straße in Oberbilk eröffnet. Jede Künstlerin soll Gelegenheit bekommen, ihre Bilder zu erläutern.
Auge als Hauptmotiv
Die Verbindung zwischen den Künstlerinnen geht auf Don Lenzen zurück, einen Wegbegleiter von Günther Grass, Joseph Beuys und Jörg Immendorff. Der Maler und Bildhauer förderte vor seinem Tod vor drei Jahren sowohl Susanne Behr als auch Gerda Schippers. "Unser Mentor", erinnert sich Behr. Den Künstlerstammtisch, von Lenzen seinerzeit ins Leben gerufen, gebe es zwar nicht mehr. Aber die Verbindung zu Andrea Mackenthun habe sich bis heute gehalten.
Mackenthun malt Ölbilder und Portraits, auf denen auch Schauspielerinnen wie Marlene Dietrich zu sehen sind. Die Künstlerin "Anowi" arbeitet mit Acryl und zeigt asiatische Motive. Bei Susanne Behr sprechen die Bilder für sich - wie bei dem grauen Papagei, der mitten im farbigen Dschungel Platz genommen hat. Geschichten erzählt Susanne Behr eher in ihren "geheimnisvollen Kinderbüchern", die ebenfalls bei der Ausstellung vorgestellt werden.
Die Gemälde von Gerda Schippers sollen den Betrachter zu einem Dialog herausfordern. Das "Stillleben" zum Beispiel ist gar keines. Rechts im Bild rückt eine malende Hand ins Bild. die Hand von Gerda Schippers. Es weht ein Wind durch die Szene, die rechte Flamme der Kerze wurde ausgeblasen, die mittlere knickt gerade ein, in der Apfelsine steckt die Frucht einer Kiwi, aus dem Apfel blickt ein Auge. Das Auge ist eines der Hauptmotive in ihren surrealistischen Arbeiten. Für Gerda Schippers bedeutet eine Kunst die Schule des Sehens, das Auge sei das wichtigste Organ des Künstlers. Sie trägt eine Brille, die fast sieben Dioptrien ausgleichen muss. "Ich habe immer Angst um meine Augen", sagt sie. Dafür lässt sie ihre Bilder sehen. |